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Bokel - Geschichte und Infrastruktur in Kürze

 

Porträt des Ortes Bokel

Bokel feierte im Jahr 2010 den 900. Geburtstag. Der Film des Senders heimatLIVE porträtiert den Ort, in dem heute ca. 2.500 Einwohner leben.

Eine DVD (75 Minuten) über Bokels 900. Geburtstag gibt es bei Karl-Peter Krebsfänger, Tel. 424.

 

 

Lage und Ausdehnung

Bokel ist ein Dorf auf der Geest im Südwesten des Landkreises Cuxhaven. Es erstreckt sich beiderseits eines Teilstückes der L 134, zwischen der B 71 und der L 135, etwa von der Billerbeck bis zur Gackau. Zu dem Dorf zählen die vier Ortsteile Haßbüttel, Kransmoor, Langenfelde und Seebeck. Bis 1926 gehörte als fünfter Ortsteil auch Stubben (das Gebiet um die ehemalige Post und Molkerei) zu Bokel. 1971 wurde Bokel Mitglied der Samtgemeinde Beverstedt. Seit November 2011 ist Bokel eine Ortschaft der Gemeinde Beverstedt.
Die Bokeler Feldmark ist 2095 ha groß und umfasst ungefähr 25 Kilometer Straßen und 25 Kilometer Wege.

 

900 Jahre Bokel

Bokel gehört zu den ältesten Siedlungen unserer Geest  und wurde urkundlich erstmals im Jahr 1110 als „Bochla“ (Buchenwald) erwähnt. Aus diesem Grund wurde 2010 Bokels 900. Geburtstag gefeiert.
Jahrhundertelang bildeten ein Teil der Hauptstraße, Bockstraße, Mühlenstraße und des Brinks das ursprüngliche Dorf. Der Sage nach soll auf dem Brink der Schrecken der ganzen Gegend, der „rote Paul von Bokel“, gehaust haben - ein listiger und verschlagener Räuber.
Die großen und häufig recht unerfreulichen Ereignisse der Weltgeschichte sind von den Bokelern in der Regel ziemlich ruhig überstanden worden. Als zur Zeit der Befreiungskriege (um 1813) in vielen Orten die Bürger zu den Waffen griffen, um es den Franzosen „heimzuzahlen“, wäre es auch in Bokel fast zu einem Aufstand gekommen. Dem besonnenen Handeln des ersten Bokeler Lehrers, Fricke, war es zu verdanken, dass die zum Kampfe entschlossenen Einwohner ihre Flinten, Hellebarden, Schwerter, Heugabeln und Dreschflegel wieder friedlich aus der Hand legten und 500 Franzosen unbehelligt durch den Ort ziehen ließen.
Das Dorf entwickelte sich langsam von 21 Feuerstellen im Jahre 1534 bis auf 79 Feuerstellen im Jahr 1821. Die Bewohner trieben ursprünglich fast alle Ackerbau und Viehzucht und waren noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts den damaligen Grundherren gegenüber abgabenpflichtig. 1841 begannen die letzten Ablösungen und 1844 die Gesamtteilungen der Feldmark.
Mit der „wilden“ Besiedlung von Kransmoor (um 1830) und Langenfelde (um 1880) sowie der Eröffnung der Eisenbahnlinie Bremen - Geestemünde (1862) mit der Station „Stubben“, veränderte sich die Gemeinde in mancher Hinsicht:

  • Die Einwohnerzahl stieg von 268 im Jahr 1821 auf 745 im Jahr 1871.
  • Handwerker und Gewerbetreibende ließen sich in größerer Zahl nieder.
  • Molkerei (1904), Post (1907) und Bahn boten neue Arbeitsplätze.
  • Die Hauptstraße (L 134) wurde gepflastert (1851), erneuert (1892/93) und verbreitert (1928).

Nach dem 1. Weltkrieg, besonders deutlich aber nach dem 2. Weltkrieg, hat sich die Einwohnerzahl der Gemeinde durch die Eingliederung der Flüchtlinge und Vertriebenen (hauptsächlich aus Westpreußen und Bessarabien) und Evakuierten beträchtlich erhöht.

Nach 1945 entstand dadurch die Siedlung Lehdeberg. Eine rege Bautätigkeit zwischen 1980 und 2000 tat ein Übriges, so dass 2002 die Einwohnerzahl 2661 betrug.

Diese Entwicklung hat sich zwangsläufig auf das Ortsbild und das dörfliche Leben ausgewirkt. Die über Jahrhunderte hinweg durch die Landwirtschaft geprägte Struktur Bokels veränderte sich allmählich. Die meisten Erwerbstätigen haben heute ihren Arbeitsplatz in der Industrie, sowie in Gewerbe- und Dienstleistungsbetrieben gefunden, überwiegend in den benachbarten Städten. Immer mehr wurde Bokel dadurch zu einer Wohngemeinde. Wiederholt mussten finanzielle Anstrengungen unternommen und den Bürgern Belastungen zugemutet werden, um einerseits die allgemein gestiegenen Ansprüche auf den Gebieten Wohnen, Verkehr, Freizeit, Bildung und Versorgung maßvoll zu befriedigen und um andererseits die „Errungenschaften der modernen Zeit“ zu bezahlen:

  • elektrisches Licht gibt es seit 1920, eine Straßenbeleuchtung seit 1972.
  • Öffentliche Wasserversorgung besteht seit 1962, die Abwasserentsorgung seit 1976, die Müllbeseitigung seit 1971.
  • Ein Freibad existiert seit 1958, dass seit 1976 als „Waldbad“ von der Gemeinde betrieben wird.
  • Kinderspielkreise wurden 1970 eingerichtet, der Kindergarten „Regenbogenland“ und das
  • Gemeinde- und Jugendzentrum wurden 1978 gebaut.
  • Der private Kindergarten „Wurzelzwerge“ im Ortsteil Langenfelde eröffnete im Jahr 2000.
  • Einen Allgemeinmediziner gibt es seit 1983 und einen Zahnarzt seit 1986 und eine
  • Ärztin für Naturheilverfahren und Akupunktur seit 2002.
  • Straßen, Wege und Gehwege wurden seit 1965 verstärkt ausgebaut.
  • Die Hauptstraße (Ortsdurchfahrt L 134) wurde 1988/89 erneuert und mit einem beiderseitigen  Geh- und Radweg ausgebaut.
  • Im Rahmen der Flurbereinigung wurden mit Zuschüssen aus dem Dorferneuerungsprogramm zwischen 1993 und 2006 zahlreiche gemeindliche und private Baumaßnahmen zur Renovierung/Sanierung von Straßen, Plätzen, Gärten und Gebäuden durchgeführt.

 

Schulen

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts (ca. 1803) stellte die Gemeinde gegen eine Bezahlung von 78 Thalern zum Schrecken aller Kinder den ersten Lehrer (Fricke) ein. Der Unterricht fand zunächst in Frerichs Haus (Hauptstraße) statt. Wenig später wurde ein von der Höllingschen Stelle (Auf dem Brink) erworbenes Gebäude zwischen dem heutigen Schullandheim und Frerichs Hof errichtet und als Schulhaus benutzt. Jeder im Dorf musste damals zur „Bestreitung der Kosten“ 4 Thaler bezahlen. Bereits 1869 reichte dieses Gebäude nicht mehr aus. Man verkaufte es für 54 Thaler, 4 Groschen und baute für 1.521 Thaler, 17 Groschen und 3 Pfennige die erste einklassige Schule (heute Schullandheim). Wenige Jahre später musste wieder Platz geschaffen werden, und man baute 1884 für 6.450 Mark zusätzlich ein zweiklassiges Schulhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Wegen der großen Entfernungen in der Gemeinde und der abenteuerlichen Wegeverhältnisse früherer Zeiten konnten die damals noch zahlreichen Kinder aus den Ortsteilen Kransmoor und Langenfelde die Bokeler Schule nicht besuchen. Weitere Schulbauten waren also erforderlich. 1850 entstand die Kransmoorer und 1903/04 die Langenfelder Schule.


Bereits um 1938 tauchte der Gedanke einer „Mittelpunktschule“ für die Schüler der ganzen Gemeinde auf, wurde aber wegen der Schülerbeförderungskosten von der Regierung verworfen. Seit Mitte der 1970er Jahre ist dieser Gedanke doch Wirklichkeit geworden, denn alle Schüler im Grundschulalter besuchen die in den Jahren 1953/54 erbaute und 1964/65 erweiterte dritte neu erbaute Bokeler Schule in der Mühlenstraße, die mit der Errichtung der Turnhalle 1973/74 ihren Bauabschluss gefunden hat.

 

Vereine

Seit fast 130 Jahre gehören örtliche Vereine zum dörflichen Leben. Ein Blick in die chronologische Auflistung der zahlreichen Vereine zeigt, dass ein breit gestreutes Freizeitangebot für die verschiedensten Interessen gemacht wird.

  • Gesangverein M.V.G. - 1889
  • Kameradschaft ehemaliger Soldaten - 1893
  • Schützenverein Bokel - 1904
  • Freiwillige Feuerwehr Bokel - 1911
  • MTV Bokel - 1922
  • Die Landfrauen - 1950
  • Schützenverein Langenfelde-Kransmoor - 1951
  • Spielmannszug des MTV Bokel - 1952
  • DRK Bokel - 1953
  • SG Langenfelde - 1954
  • Evangelischer Seniorenkreis - 1970
  • Volkstanzgruppe Bokel - 1975
  • Tennis-Club Bokel - 1976
  • LAV Bokel - 1981
  • Förderverein „Großes Moor“ - 2004
  • Bürgerverein Bokel - 2011

 

Ausblick

Wie in anderen Dörfern, ist auch die Einwohnerzahl Bokels (leicht) rückläufig. Von 2661 Einwohnern im Jahr 2002 ging sie auf 2443 im Jahr 2014 zurück. Auf diese Veränderung stellt sich der Ort ein. Er hat mit seiner Lage in schöner Natur, der günstigen Verkehrsanbindung und Infrastruktur und seinen Angeboten an Versorgung, Dienstleistung, Freizeitgestaltung, Zusammenleben und Mitarbeit gute Zukunftschancen.


Karl-Peter Krebsfänger